{"id":194,"date":"2015-09-01T16:02:14","date_gmt":"2015-09-01T14:02:14","guid":{"rendered":"http:\/\/eric-borger.com\/?p=194"},"modified":"2017-05-09T16:06:38","modified_gmt":"2017-05-09T14:06:38","slug":"ultra-trail-du-mont-blanc","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eric-borger.com\/?p=194","title":{"rendered":"Ultra Trail du Mont Blanc\u2026\u2026\u2026.\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026.ein nichtvollendeter Rennbericht"},"content":{"rendered":"<p>3 L\u00e4nder, 170km, 10.000 H\u00f6henmeter und 46 Stunden Zeit, das sind die Rahmenbedingungen f\u00fcr einen Traillauftraum, f\u00fcr die inoffizielle Weltmeisterschaft der Ultra-Trail L\u00e4ufer. <!--more--><\/p>\n<p>Es war eine mehrj\u00e4hrige Entwicklung. Nach mehreren Ironman-Rennen  stand 2009 erstmals der Inferno-Triathlon mit einem abschlie\u00dfenden 25km Berglauf und einer Zielankunft auf dem knapp 3.000 Meter hohen Schilthorn in meinem Rennkalender. Schon als Kind liebte ich die Berge, aber jetzt war auch das Interesse f\u00fcr Bergl\u00e4ufe geweckt. Ein paar Jahre sp\u00e4ter folgte mit dem K78 mein erster Berg-Ultramarathon in den Schweizer Alpen und irgendwann h\u00f6rte ich vom UTMB und dachte, das willst du auch mal machen. Allerdings, einfach anmelden und laufen geht hier nicht. Vor dem Lauf steht ein Qualifikationsprozess. Es m\u00fcssen Qualifikationspunkte gesammelt werden (und Losgl\u00fcck muss man auch noch haben), f\u00fcr meinen geplanten Start in 2014 w\u00e4ren es 7 Punkte, aus drei Rennen in zwei Jahren gewesen. Ein Rennen bringt je nach L\u00e4nge, Trailanteil, H\u00f6henmetern u.\u00e4. zwischen 1 und 4 Punkten. Die im Februar bei Eis und Schnee ausgetragene Brocken-Challenge z.B. brachte 2 Punkte, der Swiss Irontrail mit \u00fcber 80 Km und mehr als 5.000 H\u00f6henmetern 3 Punkte. Durch einen Sturz bei Sardona Ultra Trail, meinem letzten Qualiversuch in 2013 hab ich die erforderlichen Punkte nicht mehr zusammenbekommen, sodass 2014 ein Start nicht m\u00f6glich war. Somit musste also in 2014 mit dem Swiss IronTrail ein weiter Qualifikationslauf her, um die fehlenden Punkte zu bekommen. Nachdem ich nun die vermeintlich ben\u00f6tigen Punkte beisammen hatte, stellte ich fest, dass die Qualinorm um einen Punkt angehoben wurde. Also hie\u00df es, Ende November nochmal die Laufschuhe sch\u00fcren und beim kleinen Kobolt \u00fcber 106km nochmal Punkte sammeln. Nachdem mir auch dies gegl\u00fcckt ist  und mich das Losgl\u00fcck ereilte, stand als sportliches Highlight 2015 nun der UTMB fest. <\/p>\n<p>Die Vorbereitung f\u00fcr den UTMB lief im Gro\u00dfen und Ganzen gut. Ich hab meine monatliche Laufleistung fast verdoppelt, konnte viele lange Trainingsl\u00e4ufe absolvieren und der Taunus wurde fester Bestandteil meines Trainings. Allerdings war mir auch klar, dass die Runden im Taunus nicht auf wirklich auf die Alpen vorbereiten k\u00f6nnen, aber man muss mit dem Arbeiten, was einem zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n<p>Als letzte gro\u00dfe Trainingseinheit stand der Gro\u00dfglockner UltraTrail Ende Juli auf dem Programm. Wobei es hier f\u00fcr mich gar nicht rund lief, aber das hab ich ja bereits im letzten Bericht abgehandelt.<br \/>\nNach dem GGUT hab ich noch ein paar extra Einheiten am Feldberg eingelegt und war alles in allem einigerma\u00dfen optimistisch f\u00fcr den UTMB.<\/p>\n<p>Donnerstags fr\u00fch haben Rina und ich uns dann auf den Weg nach Chamonix gemacht, wo wir gegen Nachmittag eingetroffen sind. Nach dem Bezug des Hotelzimmers ging es f\u00fcr uns zur Startunterlagenausgabe und Taschenkontrolle. Bevor man hier seine Nummer bekommt, pr\u00fcft der Veranstalter nicht nur das Vorhandensein wichtiger Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nde, wie z.B. Regenjacke, Rettungsdecke u.\u00e4., sondern beurteilt auch direkt, ob die Regenjacke qualitativ gut genug f\u00fcr den UTMB ist.<br \/>\nUnd wie sollte es anders sein, ich hab nat\u00fcrlich ein paar Dinge im Hotel vergessen bzw. gar nicht erst mitgenommen. Also, wieder zur\u00fcck, restliche Sachen suchen, von Rina ne zweite Jacke leihen und wieder zur Kontrolle.<br \/>\nNachdem ich diese nun erfolgreich passiert habe, gab\u00b4s die Startnummer und das obligatorische Armb\u00e4ndchen und wir waren durch f\u00fcr den Tag. Wir haben uns dann ein Restaurant direkt an der Laufstrecke gesucht und w\u00e4hrend des Essens die L\u00e4ufer der anderen L\u00e4ufe auf ihren letzten Metern vorm Ziel beobachtet.<br \/>\nIn Chamonix ist es echt toll gel\u00f6st, dass die Athleten hier noch durch den halben Ort laufen und eine tolle Stimmung genie\u00dfen k\u00f6nnen. \u00dcberhaupt merkt man bei der ganzen Veranstaltung, dass unsere Nachbarn deutlich sportaffiner sind, als wir Deutschen.<br \/>\nRaceday: Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck am Freitag sind wir noch etwas \u00fcber die Messe geschlendert, die hier echt toll gemacht ist, mit kleinen weihnachtsmarkt\u00e4hnlichen Holzb\u00fcdchen.  Um die Mittagszeit, haben wir dann die Pasta Party aufgesucht. Wobei Rina, als nicht Athlet nicht mit bzw. nur gegen Entgelt reind\u00fcrfte, worauf wir verzichteten. Ich hab schnell meine Portion Nudeln gegessen und dann haben wir uns zum Beine hochlegen nochmal zum Hotel gemacht.<br \/>\nUm 17:30 Uhr fand dann direkt im Start-\/Zielbereich die Wettkampfbesprechung statt, die aber keine wichtigen Erkenntnisse brachte. Um 18 Uhr fiel dann der Startschuss.<br \/>\nIch bin es ja gewohnt, dass zwischen Startschuss und los joggen\/laufen\/rennen etwas Zeit vergeht, aber die ersten 8 Minuten nach der Startlinie waren ein reines Spazieren gehen. Egal, genug Zeit zum Laufen sollte ja noch kommen.<br \/>\nVon Chamonix aus ging es die ersten 8 Kilometer relativ flach nach Les Houches, bevor der erste Berg auf uns wartete. Gute 700 H\u00f6henmeter ging es bergan, die zwar alles in allem recht gut zu gehen waren, an manchen Stellen kam es jedoch auf Grund des noch sehr dichten Starterfeldes zur R\u00fcckstaus.<br \/>\n \u2013 Eine Idee an den Veranstalter w\u00e4re hier z.B. ein Start in Startgruppen, um das Feld etwas zu entzerren \u2013<br \/>\nDen Abstieg nach Saint-Gervais hab ich f\u00fcr meine Verh\u00e4ltnisse recht gut hinbekommen. Um 21:15 Uhr durchlief ich die Kontrolle, 45 Min vor Cutoff und damit fast im Plan. Zu meiner \u00dcberraschung und Freude stand Rina hier bereits an der Strecke und hat mich angefeuert.<br \/>\nEs folgte ein moderater 10km langer Anstieg nach Les Contamines und damit dem ersten offiziellen Betreuungspunkt. Rina versorgte mich hier mit etwas Eigenverpflegung und einer kurzen Beinmassage. Die n\u00e4chsten fast 50km d\u00fcrfte mich Rina nicht betreuen. Der n\u00e4chste Treffpunkt f\u00fcr uns war Courmayeur in Italien.<br \/>\nDas mir die Anstiege mehr als die Abstiege liegen, war auch gut am Ranking abzulesen. Rund 300 Pl\u00e4tze hab ich auf den 10km gut gemacht.<br \/>\nEs folgten weitere 8 Kilometer Anstieg zur n\u00e4chsten Kontrolle bzw. dem n\u00e4chsten Cutoff. Erneut konnte ich hier gut 250 Pl\u00e4tze nach vorn laufen und mein Vorsprung zur Cutoff Zeit auf 1:15h ausbauen.<br \/>\nMit dem Croix du Bonhomme wartete auch der erste richtig hohe Punkt (2.441m) auf uns. Ein toller Anblick, wenn man hunderte oder tausende Lichter unter einem sieht, die sich den Berg hoch schrauben.<br \/>\nDanach ging es gute 900 H\u00f6henmeter runter nach Les Chapieux und ich hab kaum Pl\u00e4tze verloren. \u00dcberhaupt f\u00fchlte ich mich super. Ich kam mit An- und Abstiegen bislang besser als erwartet zurecht.<br \/>\nDer Vorsprung auf den Cutoff lag nun bei fast 2h und ich damit sogar etwas \u00fcber Plan.<br \/>\nRecht euphorisch ging ich auf die n\u00e4chsten 15km, die mit mehr als 1.000 H\u00f6henmetern \u00fcber einen weiteren hohen Pass, den Col de la Seigne (2.507m) nach Lac Combal f\u00fchrten. \u00dcber 200 Pl\u00e4tze konnte ich wieder auf dem Weg nach oben gut machen, von denen ich nur 100 im Abstieg wieder verloren hatte. Mit rund 1:45h vor Cutoff lag ich weiter gut in meinem Plan. Die Nacht hatte ich gut rumbekommen und ich f\u00fchlte weder Anzeichen von M\u00fcdigkeit noch von k\u00f6rperlicher Ersch\u00f6pfung.<br \/>\nGute 13 Kilometer mit einem Gegenanstieg und ansonsten rund 1.300 H\u00f6henmetern im Abstieg lagen jetzt bis Courmayeur vor mir. Den Abstieg empfand ich als ziemlich hart, zwar nicht technisch schwer, aber steil. 200 Pl\u00e4tze hat mich das gekostet, aber halb so wild. Anscheinend hab ich hier k\u00fcrzer pausiert, als die meisten, da ich nach dem weiterlaufen, die Pl\u00e4tze wieder drinne hatte.<br \/>\nIn Courmayeur empfing mich dann meine beste Supporterin und versorgte mich mit frischen Klamotten, einer Schultermassage, Essen und Getr\u00e4nken.<br \/>\nAus Courmayeur raus waren \u00fcber 5km 900 H\u00f6henmeter zum Refuge Bertone zu absolvieren. Dies bei bestimmt \u00fcber 30 Grad und viel Sonne. Was einiges an K\u00f6rnern gekostet hat.<br \/>\nOben am Refuge hab ich mir dann mal eine f\u00fcnfmin\u00fctige Verschnaufpause geg\u00f6nnt, bevor es weitere rund 10km relativ eben weiter nach Arnuva ging. Hier wollte ich mich eigentlich mit Rina treffen, bevor wir festgestellt haben, dass sie mit dem Auto den Punkt nicht anfahren darf.<br \/>\nIn Arnuva lag ich noch immer 1:45h vor dem Cutoff und f\u00fchlte mich super. Der mit 2.527m h\u00f6chste Punkt der Strecke lag nun vor mir und ich konnte im Anstieg wieder ein paar Pl\u00e4tze gut machen. Um 18:23 Uhr passierte ich den Grand col Ferret und hatte noch 4:07 Stunden bis zum n\u00e4chsten Cutoff.<br \/>\nAllerdings hatte ich beim \u00dcberqueren des Passes das Gef\u00fchl, dass mir jemand den Stecker gezogen hat. Das erkl\u00e4rt auch die 3:50 Stunden die ich f\u00fcr 10km und 900 H\u00f6henmeter bergab brauchte. Ich konnte keinen sicheren Schritt mehr setzen. 500 Pl\u00e4tze hatte ich eingeb\u00fc\u00dft und, was schlimmer ist, von meinem einstigen 1:45 Stunden Vorsprung auf den Cutoff sind nur noch 17 Minuten \u00fcbrig. Auf dem Weg nach zur Kontrolle nach La  Fouly rief mich sogar der Veranstalter an und fragte, ob alles in Ordnung sei und wo ich den stecke. Wahrscheinlich kam ihm so ein Einbruch auch etwas seltsam vor.  Rina versuchte mich noch zum weiter laufen zu motivieren aber jetzt und hier mein Rennen beendet.<br \/>\nIch hatte rund 100 gute Kilometer, die mir viel Spa\u00df bereitet hatten und 10 weniger gute, die mich ziemlich ins Zweifeln brachten. Sind Distanzen \u00fcber 100km \u00fcberhaupt was f\u00fcr mich? Will ich das nochmal?   Nie wieder? Und, und, und\u2026..<br \/>\nIn dem Moment, als meine Startnummer entwertet wurde, hatte ich f\u00fcr mich mit den langen Strecken abgeschlossen\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026<\/p>\n<p>\u2026\u2026\u2026\u2026.. aber das hielt nur bis zum n\u00e4chsten Tag an. Ich m\u00f6chte es irgendwann nochmal versuchen. Man kann sich ja nicht 100 gute durch 10 schlechte Kilometer kaputt machen lassen.<br \/>\nWann ich das Projekt \u201eUTMB\u201c nochmal angehe, lasse ich an dieser Stelle mal offen, aber ich komme wieder.<br \/>\nVielen Dank an Rina, die mich bei all meinem Quatsch so toll unterst\u00fctzt und mich immer wieder motiviert und nach solchen dnf\u00b4s wieder aufbaut.<br \/>\nIch freu mich schon darauf, dir in NY was davon zur\u00fcckzugeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3 L\u00e4nder, 170km, 10.000 H\u00f6henmeter und 46 Stunden Zeit, das sind die Rahmenbedingungen f\u00fcr einen Traillauftraum, f\u00fcr die inoffizielle Weltmeisterschaft der Ultra-Trail L\u00e4ufer.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-194","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rennberichte"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/eric-borger.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/194","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/eric-borger.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/eric-borger.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eric-borger.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eric-borger.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=194"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/eric-borger.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/194\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":195,"href":"https:\/\/eric-borger.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/194\/revisions\/195"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/eric-borger.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=194"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/eric-borger.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=194"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/eric-borger.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=194"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}