thorXTri – der schwarze Fleck auf meiner bislang weißen Langdistanzweste

  • oder

Schwimmen wird doch nicht überbewertet

 

 

Unsere Elternzeitreise sollte uns dieses Jahr nach Norwegen führen und da dachte ich mir (mal wieder, wie schon letztes Jahr in Neuseeland), machst mal einen besonderen Wettkampf. Für den Norseman wurde ich nicht ausgelost, aber im Netz bin ich dann über den thorXTri bzw. das Foto von der Serpentinenstraße vom Fjord auch in die Berge gestolpert und war sofort begeistert. 3,8km Schwimmen im kalten Fjord, 180 Radkilometer mit ordentlich Höhenmetern und i.d.R. eher widrigen Bedingungen und ein abschließender Coastal-Marathon. Mit eigenem Support. Soweit so gut.

Etwas naiv dachte ich anfangs, den Support kann ja Rina übernehmen, aber ja, das war naiv. Die Zwerge mitten in der Nacht aus dem Bett holen, Kinder füttern, wickeln, mit ihnen  einen spielen, mir Klamotten, Verpflegung und sonst was anreichen, das kann nicht gut gehen.

Also, wo bekomme ich jetzt einen Supporter her? Via Facebook habe ich den örtlichen Triathlonverein in Stavanger kontaktiert und nach Support gefragt, worauf hin sich Julia bei mir meldete und ihre Unterstützung zusagte. Sie hat sich dann auch reichlich Gedanken (wahrscheinlich deutlich mehr als ich) gemacht, lange mit mir telefoniert, ob ich alles an Material dabei hätte, warme Kleidung, Handschuhe, Regelsachen, ob sie mir noch Material mitbringen soll und und und. Zudem hat sie schnell mal eine Karte mit möglichen Verpflegungspunkten, Einkaufsmöglichkeiten usw. erstellt. Freitags Vormittags holte sie mich dann am Campingplatz in Stavanger ab (und brachte gleich noch eine Arbeitskollegin mit, die Fotos machen sollte) und wir fuhren nach Sidal zur Registration und Wettkampfbesprechung.

Hier gab´s dann neben Timing Chip und GPS Sender noch eine Boje, welche wir alle, ausgestattet mit einer Stirnlampe, tragen mussten. So sollte man beim Schwimmen gesehen werden und konnte auch seine Mitathleten schwimmen sehen (das Schwimmen findet hier im Dunkeln statt).

Beim Briefing wurde dann noch mal explizit über die Strömung durch die Wasserkraftwerke und den Fluss und die Ideallinie informiert, aber das hat mir ja leider trotzdem nicht geholfen. Auf der linken Seite des Fjordes gibt es 2 Wasserkraftwerke, die das Wasser von den Bergen gebündelt in den Fjord einleiten und von vorn fließt ein kleiner Fluss in den Fjord. Das dritte Wasserkraftwerk auf der rechten Seite des Fjordes war ausser Betrieb. Das es eine starke Strömung hat, wusste ich ja bereits und daher ging ich auch von einer Schwimmzeit an die 2h aus. Wie stark die Strömung dann wirklich war, durfte ich am nächsten Morgen erleben.

 

Während ich im Hotel in Sirdal blieb, fuhren Julia und ihre Kollegin Lexi bereits runter nach Lysebotn und übernachteten dort in einer Campinghütte. Ich fuhr dann Samstag früh um 2:45 Uhr mit einem schwedischen Teilnehmer die gute Stunde runter zum Start. Insgesamt muss man sagen, waren hier alle sehr hilfsbereit. Athleten, Crew, Supporter usw. Man hat was an Material vergessen? Kein Problem, ein anderer hat´s doppelt und verleiht es, man braucht einen Shuttle zum Start, irgendwer nimmt einen mit.

 

Gegen kurz vor vier war ich dann in der Wechselzone, schnell alles fertig gemacht, Neo an, Lampe in die Boje und dann ging es mit dem Schnellboot die 3,8km raus zum Startpunkt. Eine kleine Landzunge mit Leuchtturm drauf. Hier haben wir dann noch ein Gruppenfoto geschossen und dann ging´s auch relativ schnell und unspektakulär los. Am meisten machte mir ja das kalte Wasser Sorgen (um die 12 Grad waren angesagt), aber das hat mir erstaunlicherweise gar nichts ausgemacht. Dank Neoprensocken und Handschuhen, kam kaum Kälte durch. Am Kopf war es mit der dicken Neoprenhaube und Badekappe regelrecht warm.

Am Ende zeigte meine Garmin 13 Grad Wassertemperatur an, allerdings weiß ich nicht, ob da noch Körperwärme vom Handgelenk abgestrahlt hat oder nicht. Ohne dies zusätzlichen Neoprenteile wäre es zumindest sehr frisch geworden.

 

Anfangs lief das Schwimmen richtig gut, ich war irgendwo im vorderen Viertel des Feldes unterwegs und dachte „läuft“. Dann erreichte ich allerdings den Bereich des ersten Wasserkraftwerkes. Zunächst merkte ich nichts von der Strömung, bis mir beim Atmen auffiel, dass ich immer auf den gleichen Felsen schaue, sprich nicht vorwärtskomme. Obwohl die Ideallinie rechts verlaufen sollte, schwammen auch links Athleten an mir vorbei, also versuchte ich es zunächst dort, aber hier war kein vorkommen. Also zurück in die Mitte und wieder ging es nicht weiter. Dann kamen von hinten drei weitere Schwimmer, diesmal eher rechts und ich habe versucht mich in den Wasserschatten zu hängen. Erneut erfolglos, die drei schwammen weiter und ich auf der Stelle. Dann sah ich ein Rettungsboot und überlegte, es herbei zu winken, was ich dann aber doch erstmal unterlassen habe. Ich schwamm weiter gegen die Strömung an und war weiter erfolglos. Als das Boot zum dritten Mal in meiner Nähe vorbei kam, habe ich es dann doch herbei gewunken und mich rausziehen lassen.

Angeblich kommt hier innerhalb von 45sec. die Wassermenge eines 50*20m Olympiabeckens in den Fjord geströmt, da kam ich einfach nicht gegen an. Auch wenn es wahrscheinlich eine vernünftige Entscheidung war, ärgere ich mich jetzt im Nachhinein über die Aufgabe. Ich hätte es noch eine Weile versuchen müssen, aber ich einer guten viertel Stunde auf der Stelle schwimmen, war irgendwie die Luft raus. Aber den Spruch „Schwimmen wird total überbewertet“ werde ich mir wohl abgewöhnen.

 

Nachdem mich das Boot am Schwimmaussteig abgesetzt hatte, wollte ich es mir trotzdem nicht nehmen lassen, den ersten Teil der Radstrecke abzufahren. Diese war es ja, die mich zu diesem Rennen gelockt hatte.

 

Bei leichtem Nieselregen ging´s dann auf die Strecke und hier bin ich für das wenige Training erstaunlich gut hochgekommen. Zu Beginn gute 7km Serpentinen von 0 auf rund 700 Höhenmeter, inkl. eines 1,1km langen Tunnels mit einer 180 Grad Kehre. Dann ging es über ein paar weiter Kilometer zum höchsten Punkt der Strecke, bei 932m über n.N. Klingt erstmal nach nicht viel bzw. nicht hoch, aber vom Klima und der Vegetation her dürfte das einer Höhe von über 2.000m in den Alpen entsprechen. Auf der Passhöhe warteten dann bereits Julia und Lexi und ich habe meine durchgeregneten Klamotten gegen trockene, warme Sachen getauscht, um mich dann bei 4 Grad in die Abfahrt zu machen und mich auf den nächsten 70km von neuem durchregnen zu lassen.  Der Regen wurde dann zeitweise so stark, dass ich fast nichts mehr gesehen habe, aber die Natur braucht es ja.

Meine wasserdichten Socken waren so dicht, die haben kein Wasser mehr rausgelassen und meine Regenjacke (nach UTMB Reglement mit 10.000mm Wassersäule) hat mich auch im Stich gelassen. Bei der Hälfte der Radstrecke bin ich dann ein Cafe eingekehrt, habe mich umgezogen und den Triathlon für dieses Jahr beendet.

 

Nach 17 erfolgreichen Langdistanzen, 2 mal Inferno-Triathlon, dem Triple von Lensahn und unzähligen kleineren Rennen, ist der thorXTri der erste Triathlonwettkampf, den ich aufgeben musste (von der MD in Moret letztes Jahr mal abgesehen, aber ohne Kurbel kein RadelnJ). Naja, dann muß ich wohl irgendwann nochmal nach Norwegen……

 

Vielen Dank an Julia und Lexi für den guten Support/thanx Julia and Lexi for the great support.

 

Und natürlich vielen Dank Rina, für die freien Tage, das Kinder hüten und die Möglichkeit, an diesem, trotz dnf, tollen Event teilzunehmen. Du bist die Beste!

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.